Mit dem RTW ins Krankenhaus
Für mich begann das Jahr 2021 ziemlich schlecht.
Am 31.12 gegen 22 Uhr habe ich meine Aufbauspritze bekommen.
Aktuell bekomme ich drei Arten von Aufbauspritzen
Für die roten, die weißen und die Blutplättchen.
Also für alle Blutreihen, da die Zellen sich durch die Chemotherapie nicht erholen
Die Spritzen für die roten und die Blutplättchen bekam ich jetzt schon 4 Wochen lang, jeweils eine in der Woche.
Bis jetzt keine Wirkung, aber es ist eben auch nur ein Versuch, es gibt keine Garantie.
Letzen Donnerstag haben wir dann, mit den Spritzen für die weißen Blutkörperchen, also den Leucozyten, der Immunabwehr, gestartet.
Donnerstag gab es eine und dann Montag und Dienstag jeweils noch eine.
Da war schon klar, die Spritzen helfen ein bisschen, nur schmerzte mir auch das Knochenmark.
So stark, dass ich am Tag 1-2 IBU 600 einnehmen musste, aber trotzdem noch aushaltbar.
Spazieren war noch möglich.
Außerdem hielt ich mir vor Augen, das es ein „guter“ Schmerz ist.
Ein Schmerz, der zeigt das im Knochenmark Zellen produziert werden.
Dieses Zellen müssen ins Blut ausgeschwemmt werden.
Dabei drücken sie von innen gegen die Knochenhaut, was mit starken Wachstumsschmerzen vergleichbar ist.
Mittwoch haben wir eine Pause mit den Spritzen gemacht und Donnerstag sollte ich wieder starten
31.12.2020 um 22 Uhr habe ich diese Spritze genommen und um 0:00 im neuen Jahr haben die Kopfschmerzen begonnen.
Gegen 2 Uhr begannen dann die wirklichen Schmerzen.
Mir hat alles weh getan, ich konnte mich nicht mehr richtig schmerzfrei bewegen und die Schmerzen kamen in Krämpfen in allen Knochen.
Ab da begann der Alptraum
Ich nahm ein 600 IBU und ging ins Bett.
5 Uhr wurde ich von noch schlimmeren Schmerzen geweckt, so das selbst aufsetzen nun schwer wurde.
Also hab ich Novalgin Tropfen dazu genommen
Ich lag wach bis 9 Uhr und nahm die nächste IBU 600.
Mittlerweile konnte ich kaum noch laufen, ich musste mich überall abstützen.
Meine Beine trugen mich nicht mehr richtig.
Die Knochenschmerzen und Kopfschmerzen wurden immer schlimmer.
Um 11 Uhr hat mein bester Freund, der zum Glück wegen Silvester da war, in der Uni Klinik angerufen.
Mittlerweile konnte mich überhaupt nicht mehr aufrichten und jede Bewegung hat mir die Tränen in die Augen getrieben.
Die Ärztin erklärte, dass eben das Zellwachstum so schmerzt und man außer Schmerzmitteln leider überhaupt nichts machen kann.
Der Prozess ist nicht zu stoppen
Ich sollte Morphium nehmen und wenn es nicht bessert wird in die Notaufnahme kommen.
Also nahm ich nochmal 20 Tropfen Novalgin und eine gute Dosis Morphium.
Ich kam ein bisschen zur Ruhe und schlich vorsichtig um 12 Uhr in die Küche, um wenigsten ein kleines Brot zu essen
So viel Schmerzmittel auf leeren Magen war nun Mal auch nicht gut.
Um 13 Uhr hab ich die zweite Dosis Morphium genommen, denn die Ärztin meinte, wenn es nicht besser wird darf ich nochmal nachlegen.
Mittlerweile war ich voll mit Schmerzmitteln und trotzdem hatte ich Schmerzen.
Um 14 Uhr ging dann die Welt für mich unter.
Mein bester Freund lag im Wohnzimmer auf der Couch und war auch weg gedöst, da er mit mir die ganze Zeit wach gewesen war und sich gekümmert hat.
Da es mir nun gegen 13 Uhr anscheinend etwas besser ging, meinte ich er soll sich auch noch was ausruhen.
Ich selber lag in meinem Bett und plötzlich verkrampfe sich mein ganzer Körper
Ich bekam kaum noch Luft, es hat sich angefühlt, als hätte ich einen deftigen Schlag gegen das Brustbein bekommen
Meine Hüfte war versteift und meine Beine vor Schmerzen lahm.
Ich lag da und war komplett hilflos.
Ich konnte mich keinen Millimeter bewegen.
Weder zu meinem Handy greifen, noch ordentlich rufen oder auch nur ,die an meiner Bettkante liegenden Ibus ergreifen
Ich fing bitterlich an zu weinen und habe das erste Mal wohl in meinem Leben, um Hilfe geschrien.
Ich weiß nicht wie lange ich gerufen habe, aber mich hörte lange Zeit niemand.
Vielleicht waren es 3 Minuten vielleicht waren es 15 Minuten
Ich weiß es nicht mehr.
Plötzlich tauchte der Hund neben mir auf, fiepte jämmerlich und rannte ins Wohnzimmer und sprang auf meinen schlafenden Freund.
Meine Rettung!
Keine 5 Sekunden später stand er in der Schlafzimmertür und Begriff die Situation.
Sein Blick sagte mir alle. Er hatte Todesangst um mich.
Er rief sofort in der Uni Klinik an und danach den RTW.
Hielt meinen Kopf und zwängte mir eine IBU in den Mund.
Ibuprofentabletten helfen bei Knochenschmerzen am besten.
7 Minuten später war der RTW in meinem Schlafzimmer.
Um sofort liegend transportiert und mit gepackter Tasche mich auf dem Weg in die Notaufnahme zu machen, wo ich erwartet wurde.
Sofort bekam ich einen Venenzugang und intravenös Morphium.
Auch die IBU begann langsam zu wirken.
Man kennt Menschen aus Filmen, die vor Schmerz schreien und stöhnen.
Ich dachte immer, sowas passiert nicht wirklich
Ja, man weint Mal, oder muss tief schnaufen oder atmen
Und auch bei der Geburt meiner Kinder habe ich einmal laut geschrieen.
Aber sowas habe ich noch nie erlebt
Ich konnte nicht reden
Nicht atmen.
Ich musste mich festkrallen und schrie vor Schmerz.
Es war ein Alptraum.
Ich war in einem abgedunkelten Raum, zugedeckt und wartete darauf daß ich wieder denken konnte.
Und es passierte.
Zwar langsam, aber ich wurde ruhiger
Bewegen konnte ich mich nicht.
Auch waren die Schmerzen noch in Vordergrund, aber ich könnte ein bisschen meinen Geist sammel. Meine Gedanken sortieren.
Um 18 Uhr bezog ich mein Zimmer auf Station.
Geplagt von Schmerzkrämpfen, die immer noch alles überlagerten.
Die Nacht war anstrengend und auch von starken Schmerzen geprägt.
Zwar nicht mehr so schlimm, wie am Mittag, aber so daß ich die Nacht vor mich hindämmerte.
Heute morgen, als ich versucht habe aufzustehen, verkrampfte ich wieder.
Zum Glück war eine Schwester da und konnte mir sofort einen Bolus, eine extra Dosis Morphium aus dem Schmerzperfuser , geben.
Nicht der erste Blous und auch nicht der letzte.
Von gestern bis heute Mittag habe ich viel Morphium und IBU 600 bekommen.
Aber es wird besser.
Seit 16 Uhr geht es bergauf
So sehr, dass ich darum bat das Morphium runter zu drehen, denn aktuell bin ich wieder an einem Schmerzperfuser, der permanent einen Spiegel aufrecht erhält, angeschlossen.
Und ich weiß, wie hart es ist sich davon zu entwöhnen.
Hat man weniger Schmerzen, als man Morphium bekommt, wird einem unangenehmen schwindelig und man fühlt sich wie in einem Wattebausch.
Ich habe sogar von einem guten Freund heute einen Neujahrskranz gebracht bekommen, da dies natürlich gestern ausgefallen ist.
Mir geht es besser, aber das war ein großer Schreck.
Vor allem, als der Arzt heute morgen bei der Visite sagte, dass so eine heftige Reaktion sehr ungewöhnlich ist und er selber sowas noch nie miterlebt hat, dass jemand so schlimme Schmerzen hat.
Sonst würden leichte Medikamente reichen.
Ich bleibe vermutlich noch bis Montag hier.
Unglaublich wie schnell sich das Blatt wenden kann
Aber etwas positives hat es.
Die Leucozyten sind wirklich besser geworden im Blutbild.
Und ich habe Mal wieder gemerkt, was für unglaublich tolle Menschen ich um mich habe, die mich auffangen.
Nicht nur meine Freunde, sondern auch mein kleiner Bruder, der sofort her gefahren ist, um den Hund in Empfang zu nehmen.
Ich versuche das positive mit ins neue Jahr zu nehmen.
Das Knochenmark hat sich ganz besonders viel Mühe mit neuen Zellen gegeben