Wenn Mama sterbenskrank wird
Da das Thema Kinder, so polarisiert, möchte ich euch ein paar grundlegende Dinge erzählen.
Es begann alles, vor vier Jahren, mit meiner Krebs Diagnose.
Ich hatte mich gerade frisch vom Vater der Kinder getrennt und bin übergangsweise zu meiner Tante gezogen.
Es war eine sehr turbulente und belastende Zeit.
Ich kämpfte mit den Nachwirkungen der Trennung, schließlich waren wir 8 Jahre zusammen gewesen.
Zudem lebten im Haus meiner Tante, 6 weitere Personen, so dass wir insgesamt 10 Menschen in diesem Haus waren.
Es war laut, eng und stressig.
Der eine trat dem anderen auf den Fuß.
Ich fühlte mich sehr als ein Eindringling, jedoch hatte ich auch keine Alternativen.
Somit steckte ich meine ganze Energie darein, schnellstmöglich eine Wohnung zu finden.
Im Herzen von Köln, als Alleinerziehende Mama, von zwei kleinen Kindern ohne Einkommen.
Es war hart.
Doch ich fand etwas.
Es war nicht groß, und komplett überteuert.
Aber es sollte unser Neustart sein.
Ein Neustart für meine Kinder und mich.
Doch es kam anders.
Ich litt schon seit Wochen unter einer schlimmen Mandelentzündung, immer wiederkehrendem Fieber und massiver Erschöpfung.
Ich dachte, es käme von der Belastung, emotional, wie körperlich.
Schließlich waren meine Kinder auch noch klein, ein und zwei Jahre, beides Stillkinder, beides Kinder, die ich viel getragen habe, Kinder, die nachts noch wach wurden usw
Jede Mama kennt dieses Alter, wunderschön, aber körperlich schon sehr anstrengend.
Und ich musste alles alleine schaffen!
Wenige Tage vor der Schlüsselübergabe für meine neue Wohnung, kippte ich um.
Ich stand morgens früh auf, und fühlte mich schwummrig und dachte nur, oh das Fieber ist wieder da, ich muss eine Ibu nehmen (zu der Zeit nahm ich viele Ibuprofen, um gegen das Fieber anzukommen).
Dann kippte ich vorne über und landete mit dem Gesicht auf dem Steinboden.
…
Die ganze Geschichte, habe ich euch hier makiert:
Naja auf jeden Fall, bin ich darauf hin ins Krankenhaus gekommen.
Es war sehr dramatisch alles. Man dachte zwischenzeitlich ich würde einfach wegsterben.
Da meine Tante, die Kinder nicht aufziehen konnte, hat sie sie an Bekannte weiter gegeben.
Ohne es mit mir richtig abzusprechen.
Ich wurde, über Telefon, als ich im Krankenhaus lag , darüber informiert.
An Weihnachten sind meine Kinder weg gezogen.
Das Schicksal hat es, aber trotz allem gut mit den Kindern und mir gemeint und die Bekannten, haben sich als wundervolle Menschen erwiesen.
Als klar wurde, es wird eine längere Krankheitsgeschichte, haben sie sich zu Pflegeeltern fortbilden lassen.
Und dort leben sie immer noch.
Meine Kinder wissen, dass ich ihre „Bauchmama“ bin. So nennt man leibliche Eltern, um den kleinen Kindern den Unterschied zu verdeutlichen.
Jedoch nennen sie mich natürlich ganz normal Mama.
Sie wissen, warum sie dort wohnen.
Für sie ist es normal, mehrer Mamas zu haben.
Meine Tochter verkündete einmal ganz stolz, bei einem Besuch, wo sie an meiner Hand und an der Hand der Pflegemama geht, wie viel Glück sie hat, zwei Mamas zu haben.
Ich sage nicht, dass es einfach für meine Kinder war, aber ich tue mein menschenmöglichstes, um ihnen eine wundervolle Kindheit zu schenken.
Und manchmal, bedeutet das, sich zurück zu nehmen.
Zu erkennen, was das beste für das Kind und nicht für einen selbst ist.
Ich liebe meine Kinder über alles, und wenn ich könnte, dann würde ich sie noch heute zu mir holen.
In ihr perfekt eingerichtete Kinderzimmer, wo ich immer frisch bezogene Kinderbetten stehen habe.
Aber es geht nicht.
Denn Kinder benötigen mehr, als nur leibliche Verwandte.
Sie brauchen, vorallem Sicherheit!
Sicherheit, dass man jeden Morgen fitt für sie aufsteht.
Sicherheit, dass sie nachts beruhigt schlafen können.
Sicherheit, täglich neue Abenteuer erleben zu können.
Und das alles OHNE die Sorge, dass die Mama jeden Moment zusammen brechen kann und für längere Zeit ins Krankenhaus verschwindet.
Ich würde es mir niemals verzeihen, wenn meine Kinder, wegen meiner Krankheit, unter ständiger Angst und Sorge leben müssten, weil ich sie nicht konstant gut versorgen kann.
Ich glaube, die Angst und die Sorge, die sie schon in ihrem jungen Leben erlebt haben, war genug!
Die Angst, dass ihre Mama sterben könnte.
Deswegen, sind meine Kinder auch noch nicht zurück.
Weil, dort wo sie leben, gerade glücklich sind.
Das ist ihr Leben dort.
Ihr Lebensmittelpunkt.
Und glaubt mir, es zerreißt mich das zu sagen und es war ein langer Prozess, dass zu verstehen und auch heute noch, kämpfe ich mit Selbstzweifeln und schlimmen Schuldgefühlen.
Ich wünsche mir nichts mehr, als ihnen jeden Abend eine gute Nachtkuss zu geben und ihnen morgens, dass Butterbrot zu schmieren.
Ich würde alles dafür geben.
Aber weil, ich es nicht kann, und es unglaublich egoistisch wäre, mache ich, was ich kann.
Und das ist ihnen meine ganze Liebe schenken.
Jeden Besuchskontakt unvergesslich zu gestalten.
Ihnen Briefe und Kassetten mit meinen Worten zu schicken.
Ihnen ihre Wünsche zu erfüllen.
Sie wissen zu lassen, ihr habt eine Mama, die euch überalles liebt und immer für euch da ist.
Und die Frage, wann kommen Sie zurück.
Ich weiß es nicht.
Ich weiß nicht, wann ich gesund genug bin.
Und das ist nur meine Seite der Medaille.
Habt ihr mal an die Seite der Kinder gedacht?
Kinder, die komplett woanders aufgewachsen sind.
Die irgendwo, ein wunderschönes Kinderzimmer haben, ihre Freunde, ihre Hobbys, ihr Leben.
Wir Eltern sind Wegbegleiter, und keine Wegebner.
Ich bin für sie da. Immer und überall.
Und jetzt noch ein paar Worte, bezogen auf die Darstellung der Kinder.
Im Beitrag gestern sagte ich, ich gebe Nichts preis.
Ich gebe nur Dinge preis, die mich soweit betreffen, dass ich sie, ohne die Privatsphäre der Kinder zu beeinträchtigen, erzählen kann und vorallem auch möchte!
Die vielen vorwurfsvollen Fragen, wo mir unterstellt wird, ich will meine Kinder nicht zurück holen, machen mich sauer und traurig.
Ich weiß, im Internet muss man mit unsensiblen Fragen rechnen, doch auch ich bin nur ein Mensch und vorallem Mutter.
Wenn man mich, ohne mein jetztigen Erfahrungen, fragen würde, wo sollten Kinder leben, würde ich immer antworten.
Bei den Eltern!
Nur, durch meine Situation habe ich gemerkt, die Frage ist viel mehr als nur die Frage, nach der Blutsverwandtschaft.
Ich hoffe sehr, dieser Beitrag, hilft vielen, etwas reflektierter auf die Situation zu schauen.