Hoffnungsträger

Für mich sind es viele Kleinigkeiten die mich aufmuntern, mir Kraft geben, mir Hoffnung geben. Natürlich gibt es auch große Dinge, aber auch die kleinen Dinge muss man schätzen. Sie sind alltäglich und zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Und nichts ist wichtiger, als sein lächeln nicht zu verlieren.

Mein größter Ansporn sind natürlich meine Kinder. Ich will sie aufwachsen sehen, ihr Hand halten beim Spaziergang, sie in den Schlaf kuscheln, ihre Augen aufblitzen sehen an Weihnachten und auch ihre Tränen nach einem Sturz weg wischen. Sie lieben und begleiten.

Das ist mein größter Wunsch. Das wichtiges in meinem Leben. Mein größter Ansporn.

Trotzdem vergesse ich nicht die kleinen Dinge im Leben.

Ich konnte mich schon immer für eine duftende Rose, ein tolpatschiges Kätzchen oder ein warmes Stück Schokokuchen begeistern. Schon immer waren mir Kleinigkeiten wichtig. Sie begegnen uns im Alltag und verzaubern den Moment und machen ihn einzigartig.

Eines wird einem nämlich ganz besonders bewusst, wenn man sich mit seinem Ende beschäftigt.

Jeder Moment ist einzigartig. Keiner wird genau so wieder kommen. Jede Sekunde, jede Minute und jeder Tag sind vergänglich. Und etwas vergangenes lässt sich nicht wieder-holen.

Das wichtigste nun für mich war, trotzdem das Gute zu sehen. Mich weiterhin an dem Marienkäfer, der plötzlich auf meiner Schulter landet zu erfreuen, statt dem Moment den Wert zu nehmen, in dem ich nur ans Ende denke, an die Vergänglichkeit.

Besonders schwer waren und sind die Treffen daher immer noch mit meinen Kindern.

Zu Beginn, als ich wusste es geht ins Krankenhaus. Es wird nun ernst. Es kann das letzte Mal sein. Die letzte Umarmung, das letzte Küsschen, bin ich oft unvermittelt in Tränen ausgebrochen. Ein Ausflug ist mir besonders in Erinnerung geblieben, es war der letzte vorm Krankenhausaufenthalt bei den Kindern. Ich bin alleine mit den Kindern am Feldweg spaziert und habe mich einfach ins Gras gesetzt. Zum einen, weil ich körperlich nicht so fit war, zum anderen und das war der Hauptgrund; Ich wollte nicht nur spazieren gehen. Ich wollte ganz bewusst den Moment mit den Kindern genießen. Am Feld sitzen, auf einem Grashalm pfeifen, eine Käfer beobachten und sie dabei an der Hand halten. Mich ihrer bewusst werden. Ich habe an dem Tag viele Tränen vergossen und trotzdem viel gelacht.

Ich denke täglich an sie. Es gibt nichts was mir wichtiger ist. Ich vermisse sie jeden Moment.

Nun wollte ich aber auch erzählen, was mich am Tag aufmuntert. Denn, ich weiß ich wiederhole mich, dies ist genauso wichtig. Ich konzentriere mich auf das positive. Und ich glaube das strahle ich auch aus. Die Schwestern kommen zu mir und berichten, dass ich eine sehr positive Ausstrahlung habe. Der kleine Sonnenschein auf Station ( und der jüngste Sonnenschein auf Station ).

Ich freue mich weiterhin über Kleinigkeiten und wenn ich gerade ein kleines Tief habe, dann Weine ich mich aus und knuddel meinen Teddy, den ich zur Geburt geschenkt bekommen habe. Denn auch das ist vollkommen okay. Niemand kann immer positiv sein und strahlen. Manchmal hängen Wolken vor der Sonne, aber glaubt mir die ersten Strahlen nach einem Regen sind die wärmsten.

Ich werde nicht aufgeben. Dafür gibt es viel zu viele schöne Dinge für die es sich zu leben lohnt!

Polnisches Hallo

Natürlich wollte ich meine polnischen Stammzellen gebührend begrüßen.

Und wie geht das am besten. Natürlich mit polnischen Leckerreien.

Also was hat meine bessere Hälfte getan. Er ist am Abend zuvor in einen polnischen Laden gefahren und hat mir tolle Dinge gekauft.

Und am Tag der Stammzellentransplantation hat er mich dann überrascht. Er war eine kleine Sensation damit auf Station. So einen Idee hatte hier auch noch niemand gesehen.

Ich war gerührt und glücklich. Ich bin wirklich froh ihn an meiner Seite zu haben. Wir kennen uns erst seit Anfang des Jahres und trotzdem macht er diese harte Zeit mit mir durch und unterstützt mich so unglaublich.

Ich hoffe, dass es noch lange hält und freue mich sehr auf entspannter Zeiten. Er ist nach meinen Kindern aktuell die wichtigste Person in meinem Leben.

Der große Tag

Da war er nun, gestern, 18.09.19, Stammzelltransplantation, mein zweiter Geburtstag, die Chance auf Heilung.

Wie verlief es?

Also erstmal war ich UNGLAUBLICH aufgeregt. Nach der Physiotherapie, die jeden Morgen ist, ging es zurück aufs Zimmer.

Meine Zellen sind am Abend zuvor aus Polen eingeflogen wordem und sollten zwischen 10:30-11 Uhr transplantiert werden.

Um kurz vor 11 Uhr kamen die Ärzte rein, die Vorbereitung starteten.Ein dicker Beutel (1,5 L ) Knochenmark wurde rein gebracht. Zusätzlich vier Spritzen mit präventiven Medikamente .Ich hab dann erstmal in meiner Aufregung, die Spritzen vom Bett geworfen… Das kam nur so semi gut an. Also alles auf Anfang. Nochmal alle Spritzen aufziehen.

Um kurz nach 11 Uhr ging es dann los. Ich wurde an das Blutmessgerät und den Pulsmesser an der Hand angeschlossen. Zudem wurde der Hahn für das Knochenmark am ZVK aufgedreht. Vorab noch die vier Spritzen über den ZVK gegeben. Unteranderem Cortison und Antihistaminika. Also erstmal aufputschen, um mich dann wieder müde zu machen.

Dann ging es los. Das Knochenmark tropfe LANGSAM in mich. Tröpfchen für Tröpfchen.

Plötzlich ging der Alarm los. 5 Ärzte und 3 Schwestern stürmten in sekundenschnelle mein Zimmer. Das Pulsmessgerät am Finger hatte Alarm geschlagen. Angeblich ein Puls von 180… Naja es war Fehlalarm. Also alle erstmal tief Luft holen. Mir geht es gut. So schnell kommt sonst keiner, wenn ich klingel.

Also ging es weiter. Das Knochenmark tropfe und wir langweilte uns. Nach 3 Stunden waren ca. 200 ml reingetröpfelt. Das war den Ärzten, dann tatsächlich zuuu langsam.. Also wurde ein anderer der drei Wegezugänge am ZVK genutzt. Da lief es dann deutlich besser.

Mein Freund und ich entschieden uns für ein Hörspiel und nickte darüber ein.

Plötzlich wurde ich durch Atemnot wach. Mein ganze Bronchien taten wirklich weh. Ich merkte, alles hat sich zusammen gezogen. Ein Blick auf den Knochenmarksbeutel zeigte mir, dass er fast leer war. In einer knappen Stunde waren fast 900 ml in mich geflossen. Das war dann doch ein bisschen viel. Ich klingelte und schwupps waren Ärzte und Schwestern da. Es gab sofort ein Antihistaminika. Ich hatte eine allergische Reaktion. Zudem wurde ein EKG geschrieben und der letzte Rest Knochenmarksinfusion gestoppt.

Nach einer knappen halben Stunde ging es mir dann auch deutlich besser. Also noch schnell den letzten Rest rein laufen gelassen und der Tag war geschafft.

Und ich auch …

Geschafft✅

Denn es war wirklich anstrengend. Ich bekam zusätzlich am Abend auch noch Thrombozyten und wollte nur noch Schlafen!

Heute nun nur positives zu berichten. Mein Werte haben ein Rekord hoch. Thrombozyten bei 9.000 (gestern >2.000 ) HB bei 9.0 ( gestern noch 7,9 ) Leucozyten bei 3,2 ( gestern noch 0,2 )

Das kommt natürlich alles durch die Masse an Zellen die ich gestern bekommen habe. Trotzdem bin ich happy. Heute sprach der Arzt schon von Entlassung!!!! Von vielleicht in 20 Tagen statt in 28 Tagen. Das wäre grandios.

Ich bin einfach Happy heute und freue mich auf die nächsten Tage. Jetzt heißt es Daumen drücken, das die Knochenmarkzellen gut anwachsen und ihren Dienst tun.

So ein Zussel

Mal was lustiges.
Ich hatte, wie die meisten auch die schwer Erkranken, ein Leben VOR dem Krebs.
Eine meiner Leidenschaften war es viel Zeit in meine Haare zu investieren.

Ich hab sie gepflegt, gehegt, die tollsten Kuren, Pflegeprodukte, Haarzauber, ausprobiert und sie tatsächlich ein bisschen wirklich geliebt.

Nun hab ich sie, als ich im November erkrankte…
Abgeschnitten…
Nach dem Motto.
Dem Krebs immer einen Schritt voraus!!!!

Das hat den Krebs so schockiert, dass er tatsächlich für eine halbes Jahr verschwunden ist.
Ich will nicht das ganze Lob einheimsen, ein bisschen haben die Ärzte auch ihren Dienst getan und ihn mit ihren drei kleinen Chemos zurück gedrängt.

Nun stand ich da.
Kurzhaarig aber Krebsfrei ( dachte ich auf jeden Fall )

Gut was macht man dann.
Man heult, weil man seine Haare zwar abgeschnitten, aber nicht verloren hat.
Klingt paradox, aber ich dachte WHO CARES, abschneiden ist nur der erste Schritt zu meiner ganz kurzen !Haarlosen! Frisur.

Gut also so lebte ich mein Leben, kurzhaarig, hatte aber dauf meinem Handy immer griffbereit ein Langhaarbild.
So wie andere stolz ihr Auto präsentieren, was sie gehegt und gepflegt haben, so präsentierte ich meine Haare.

Dann im Sommer…
War der Krebs wieder da.
Heftiger und aggressiver als davor.

Vermutlich hat er einen Rachefeldzug geplant.

Nun stand fest. Ich werde transplantiert.
Heilen ist jetzt das Motto.
Antoninaaaaaaa vs. Akute myelosche Leukämieeee
( In Anbetracht des schlechten Ausrufenamens der Krankheit zu einem Einns gegen Eins Fight ist der Sieger natürlich schon klar )

Also was mache ich.
Abschneiden wollte ich meine Haare nicht noch mehr
Aber ich wollte dem Krebs zeigen wer hier der Boss ist.
Und was ist eine gute Kampf Farbe ?!
Rot natürlich!!

Und da sind sie.
Rot rot rot sind alle meine Haare geworden.

Es ist nett, aber nichts was ich für mein Leben für immer tragen will.
Muss ich ja nicht, schließlich verlieren 98% der Patienten ihre Haare …

Tag 13
Ich hab noch alle Haare.
Sie sind noch da.
In voller Pracht…
Naja fast, sie mögen das neue Shampoo nicht.


Aber sonst Wuhuuhuhh vielleicht gehe ich als zusseliger Pumuckel hier raus.

Chemo erledigt✅

Gestern war der letzte Chemo Tag.

Ich bin wirklich froh DAMIT durch zu sein. Die letzten beiden Tage mit der letzten Chemo, waren wirklich hart. Ich hab mich gefühlt als wäre ich hart verkatert.

Gestern konnte ich dann „zum Glück“ ein Mittagsschlaf halten. Und hab dann Mal wieder von 14-18 Uhr gepennt.
Und somit auch meinen Mittagsspaziergang verpasst
Aber ich glaube mit geschlossenen Augen spaziert es sich auch schlecht.

Heute ist der letzte Tag vor der Transplantation der Spenderzellen

Wuhhuhu ich bin aufgeregt und freue mich.

Bald ist mein zweiter Geburtstag.

Das plattmachen der Krebszellen ist ein gutes Stück erledigt, jetzt heißt es Daumen drücken für den wahren Star.

Applaus bitte “ die polnischen Spenderzellen“

Ich werde sie morgen gebürtig empfangen.

Tipps für das passende polnische Willkommensgeschenk werden dankend angekommen.

Allogene Stammzellentransplantation 2.0

Ich bin schon unglaublich aufgeregt. Bald ist es soweit. Meine Stammzellentransplantation rückt immer näher. Mein bald zweiter Geburtstag.

Ich glaube es ist an der Zeit mal über das Hauptthema zu sprechen. Über das was mich hier erwartet. Was mein Joker ist. Meine frei Parken Karte plus sie kommen aus dem Krebsknast raus.

Allogene StammzelleTransplantation.

Gehen wir es Mal Wort für Wort durch .

Das erste Wort ist „Stammzellen“ . Was genau ist das?! Was genau machen die Dinger?! Und braucht man die zum Überleben?!

Also erstmal, Ja!!!! die Dinger braucht man zum Überleben. Sie haben vermutlich die wichtigstes Position in unserem Leben.

Sie werden zu allen weiteren Zellen in unserem Körper, somit auch zum Knochenmark, das wiederum mein Blut bildet.

Und da liegt bei mir der Hase im Pfeffer. Die Blutbild ist gestört. Das Knochenmark bildet nur noch kaputte Vorläuferzellen ( Blasten ) statt normale Vorläuferzellen, die dann schön brav in Reihe und Glied zu den drei Blut- Hauptgruppen werden.

So nun zum zweiten Wort. Transplantation.

Mir wird nicht wie in einem schlechten Vampirfilm alles Blut abgesaugt und neu hinein gepumpt, aber ganz falsch ist die Vorstellung trotzdem nicht.Tatsächlich bekomme ich echte Stammzellen transplantiert. Es ist nur für mich ziemlich unspektakulär.

Doch von Anfang an. Wie kommen wir an die Stammzellen ran.

Da wären wir bei dem allseits beliebten Spruch „Stäbchen rein Spender sein“

Nachdem ihr das gemacht habt ( und ja ich hoffe meine Leser haben das tatsächlich gemacht ) werdet ihr bzw. euer genetischer Fingerabdruck in einer großen Datenbank gespeichert. Nun gibt es so arme vom Leben gebeutelte Menschen wie mich, die gerne geheilt werden möchten. Die dann nun einen genetischen Zwilling suchen.

Einen 10 von 10 Spender. Also 10 Genetische Marker die übereinstimmen.

Nun wird erst die Familie getestet. Da ich einen kleinen Bruder habe und die Chancen bei 25% liegen das er passt war ich optimistisch. Den ähnlich sehen wir uns.

Er hatte eine Übereinstimmung von 5 von 10.

Die Ärzte fragten, ob wir denn wirklich verwandt seien….

Gut blöd gelaufen. Also wurde weiter gesucht und gefunden. Ein 10 von 10 Spender aus Polen.

Wuhhuhuhuhuh biiig Party

Jedoch möchte er nur Knochenmark und kein Peripheres Blut spenden. Ich sehe die Fragezeichen in euren Augen.

Das ist nun der Bogen zu der Transplantation.

Bei der Transplantation von Stammzellen von meinem Spender bekomme ich ganz unspektakulär nur eine Infusion mit dem Spendermaterial. Also direkt die Stammzellen aus Polen über den Venenzugang in mich rein. Wups so schnell bin ich Polin geworden. Cześć, oto jestem!

Nun wie kommen die Stammzellen aus dem Spender und warum nimmt mein Körper die Stammzellen überhaupt an(?).

Also erstmal wird der Spender informiert und wenn er mir das Leben retten möchte, dann stimmt er der Spende zu.

(Hier ein dickes riesiges unglaublich großes Dankeschön an meinen Spender. Ich werde ihm eine schnulzigen, verheulten, strahlenden, vor dankeschönstriefenden, herzzereißenden, demütigen Brief schreiben. In deutsch…

Die Polnische Variante wird cool sein. Wie“ Hey danke fürs Mark. Coole Aktion Bro. Gettofaust“.

Nein, natürlich werde ich eine anständige Brief schreiben. Ich habe zum Glück einen Freund der sehr gut englisch sprechen und schreiben kann. Er wird meinen deutschen Brief ins englische übersetzen und dann werde ich ihn, leider anonym, versenden.)

Zurück zum Spender.

Also, wenn er sich nun dazu entschieden hat, mir seine Stammzellen zu spenden, gibt es zwei Varianten.

Die Stammzellen über „Peripheres Blut“ zu spenden. Dafür muss der Spender über einen bestimmten Zeitraum Medikamente nehmen, die das Knochenmarkwachstum anregen, damit Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut ausgeschwemmt werden. Nach einiger Zeit ( ca. 14 Tage ) wird dem Spender dann Blut abgenommen. Aus diesem Blut werden dann die Stammzellen gefiltert und dann zum Empfänger transportiert.

Die andere Variante ist Stammzellen „direkt aus dem Knochenmark“ zu gewinnen. Dazu wird dem Spender in einer OP direkt Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen.

Macht es für mich einen Unterschied wie die Stammzellen gewonnen werden?

Ja, macht es.

Stammzellen aus dem peripheren Blut enthalten mehr Immunzellen, die wieder rum gegen die noch vorhandenen Krebszellen kämpfen können. Aber anderseits auch mehr Abstoßungsreaktion hervorrufen. Also Entzündung an eigene Organen hervorgerufen vom neuen Immunsystem.

Stammzellen direkt aus dem Knochenmark, haben hingegen weniger Immunzellen und sind daher weniger stark gegen den noch vorhandenen Krebs, haben aber weniger Abstoßungsreaktion.

Da mein Spender nur direkt Knochenmark spendet, wird meine Therapie ein bisschen angepasst. Z.b bekomme ich nicht ein bestimmtes Eiweiß, welches Immunzellen zerstört. Wäre auch bei mir Kontraproduktiv, wenn ich durch das Knochenmark sowieso weniger Immunzellen habe.

Nun gut. Am 18.09 ist es nun soweit. Da ist Tag null ( die Rechnung hier beginnt ab Aufnahmetag -× bis zum Tag der SZT als Tag 0 )

Mein kleiner Bruder und mein Freund werden den Tag mit mir verbringen. Sie werden mir Kraft geben.

Denn so langsam merke ich die Chemos immer mehr. Und die aktuelle 15.09( Tag – 3 ) Chemo ist nochm ein neues Medikament. Und keine hab ich so gemerkt wie die. Die haut ganz schön rein. Aber ich muss sie nur zwei Tage bekommen. Als heute hab ich schon durch gestanden, kommt nur noch Morgen.

Dafür werde ich gleich mit frischem Blut aufgefüllt. Ist wie eine kleine Kur.

#SterbenistkeineOption

Ers

Toller Besuch und viel Schlaf

Ich hatte heute Vormittag tollen Besuch von einer sehr guten Freundin. Sie ist wirklich immer eine große Unterstützung.
Kleine Alltagshelden❤️
Heute hat sie mir einen ganzen SACK an Anziehsachen und Süßigkeiten mit gemacht.

Nach dem Besuch war ich aber doch schon ganz schön platt, denn zusätzlich begann heute die Chemo mit der höchsten Dosierung 10.000mg.
Und zusätzlich auch noch eine Thrombozyten Transfusion.

Da hab ich dann Mal schnell von 13:30-17:30 Uhr, 4 Stunden am Stück, geschlafen.

Mich danach aber tapfer aus dem Bett gekämpft und bin vorm Abendessen meine 30 Minuten spaziert.
Den von nichts kommt nichts.

Und ich will das hier schaffen!

#SterbenistkeineOption

Sooo viele Verbote

Hier in Isolations“Haft“ gibt es strenge Regeln.

Einer der großen Regel betrifft das Essen.
Ich darf nicht frisches. ( Die Banane ist die einzige HART erkämpft Ausnahme )

Im Prinzip bin ich zufrieden mit dem Essen, nur gibt es viele Dinge die ich nicht darf und alles muss tot gekocht sein, nichts darf länger als 24h offen sein, keine Nüsse, kein kaltgepresstes Öl, kein Salat😫😫😫 und und und.

Ich komme klar, weil es mir noch Recht gut geht.

Zu meiner tollen allergischen Reaktion auf die Thrombozyten Transfusionen hab ich mittlerweile auch Magen Darm beschwerden, Nasenbluten und die Müdigkeit,die wirklich anstrengend ist.

Ich denke ein Salatblatt würde auf mich wirken wie Spinat auf Popeye 😅

Wie ist es bei euch?
Mögt ihr das Krankenhaus essen oder erleidet ihr fast eine Hungertot?
Schleppen Familie und Freunde den halben Kühlschrank und die ganze Süßigkeiten Abteilung aus dem Supermarkt an?

Ich muss alle bremsen, weil so wenig wie möglich in den Sterilen Raum hier darf. Und ich vieles auch nicht essen darf.

Die ersten Nebenwirkungen

Seit gestern fange ich an die Chemo und das sinkende Blutbild zu merken. Ich bin deutlich schlapper. Der tägliche Spaziergang auf dem Flur, den ich zwei Mal morgens uns abends für 30 Minuten mache wird anstrengend. Ich bin kurzatmig und insgesamt weniger belastbar.

Heute war der HB bei 7,1. Hart an der Grenze, um mir eine Blutkonserve zu geben.

Die Leukozyten sind mit 2,7 auf dem Weg in die Aplasie.

Und die Thrombozyten mit 8.000 nicht mehr vertretbar.

Deswegen gab es heute nun mindestens eine Thrombozyten Transfusion kurz TT. Nicht meine erste und vermutlich nicht meine letzte. Doch heute lief was schief, oder es war alles nur ein blöder Zufall.

Ich hab massiven Schüttelfrost bekommen nach dem TT. Ich saß am Tischen in meinem Zimmer und hab den Papierkram erledigt und irgendwie fühlte ich mich nicht gut. Nach geraumer Zeit wurde mir immer kälter und ich bin ins Bett gegangen. Da find dann der Schüttelfrost an. Ich hab nach der Schwester geklingelt und wir haben es zuerst mit einer zusätzlichen Decke und dem aufdrehen der Klimaanlage probiert. Jedoch wurde auch die Ärztin informiert. Meine Temperatur lag bei 36,4. Komplett normal.

Ich sollte mich nach 5 Minuten melden, ob es besser wird. Wurde es nicht. Es wurde stattdessen immer schlimmer. Meine Hände wurden taub und der Schüttelfrost wurde immer schlimmer. Mir klapperten die Zähne und das Bett vibrierte.

Ich habe dann nochmal nach der Schwester geklingelt, diese hat nochmal mit der Ärztin gesprochen und ich habe ein Antiallergikum bekommen und was gegen das schütteln. Zusätzlich auch direkt was gegen die ansteigende Temperatur, denn diese war mittlerweile auf 38,5 hoch gekrackselt.

Da lag ich nun, plötzlich hoch fiebernd, wie ein Häufchen elend und dachte verdammt was ist nur plötzlich so schnell passiert.

Zum Glück wirkten alle Mittel schnell. Das schütteln hörte auf, was sofort eine große Erleichterung war. Ich froh nicht mehr so erbärmlich.

So wurde dann noch schnell Blutabgenommen und ich konnte eine kleine Runde schlafen. Das Antiallergikum macht einen nämlich unglaublich müde.

Rückblickend bin ich Mal wieder überrascht. Man weiß nicht genau was es war. War es eine allergische Reaktion? Hab ich mir eine Bakterium eingefangen oder doch eher einen Virus? War es die Chemo die nach gewirkt hat?

Was auch immer es war. Es war nicht schön. Denn nichts ist für mich schlimmer, als nicht zu wissen was los ist. Den Symptomen hilflos ausgeliefert zu sein.

Ich weiß, dass ich schnell sehr hoch fiebere und es ich dann auch extrem zittere. Aber gerechnet habe ich nicht damit.

Nun sei es wie es ist. Ich muss mich so langsam damit anfreunden, dass die harte Zeit beginnt.

Meinen Spaziergang am Abend hab ich ausfallen lassen. Ich habe stattdessen von 16-18 Uhr geschlafen. Ich brauchte das einfach. Aber beim nächsten Mal bin ich vorbereitet und lasse mich nicht klein kriegen

#SterbenistkeineOption

Chemo

Gestern ( 05.09 ) wurde die Chemo gestartet. Es gibt drei Chemostoffe, die hauptsächlich gegen die Krebszellen im Knochenmark wirken.

Verabreicht wird die Chemo über den Zentralen Venenzugang. Sie schmerzt nicht und bis jetzt ( Tag zwei ) habe ich keine sichtbaren Nebenwirkungen.

Natürlich ist mein Blutbild schon gefallen. Aktuell 12.000 Thrombozyten, 6.000 Leucozyten und der HB bei 7. Das sind zwar niedrige Werte, jedoch nicht anders zu erwarten.

Blöd ist, dass ich selbst nach der dritten Thrombozyten Transfusionen keine Thrombozyten bei mir behalten konnte. Alle werden zerstört.

Die Chemo an sich bringt viele Nebenwirkungen mit sich, für die ich aber vorbeugend Medikament bekomme.

Aktuell:

  • 4× täglich Augentropfen ( gegen trockene Augen )
  • 4× täglich Augenantibiotika ( gegen Bindehautentzündung )
  • 4× täglich 2× Mundspülungen ( soll die Mundflora aufrecht erhalten )
  • Betaisadonma ( für die aufgesprungen Lippen )
  • Folsäure
  • 2 täglich ein Viren Medikament
  • Intravenös was gegen Übelkeit
  • Intravenös was gegen Pilze
  • Mehrere Liter intravenös Spühlung
  • Dekontaminationswaschgel für den Körper und Kopfhaut

Ich hab mir schon eine App aufs Handy gemacht die mich erinnert was wann dran ist.

Durch die vielen vorsorglichen Medikamente merke ich noch nicht sehe viel.Das wird sich vermutlich aber bald ändern. Aber auch das werde ich durch stehen.

Natürlich hilft mir jedes kleine Gebet, jede Kerze und jeder Gedanke von euch auch. Ich glaube fest daran, dass vieles Wille und eine Spur Glück ist. Daher danke an alle die mir Glück wünschen

#SterbenistkeineOption

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